Seit 1977 engagiert sich Rolf Nessing ehrenamtlich im Betreuerteam der Seevogelinsel und Naturschutzgebiet „Insel Walfisch“ an der mecklenburgischen Ostseeküste bei Wismar (www.wismar.de).

Im Jahr 2002 wurde der „Verein Walfisch e.V.“ gegründet, der seit 2004 vom Umweltministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit der Betreuung der Insel beauftragt wurde.

Der „Verein Walfisch e.V.“ gibt in unregelmäßigen Abständen per e-Mail ein kostenloses Mitteilungsblatt heraus, das Mitteilungsblatt „Aderholm“.

Aus dem Mitteilungsblatt Nr. 2:

„Inmitten der Wismarbucht liegt die Insel Walfisch. Jedoch nur auf einer kleinen Fläche - 11,5ha Landfläche und 68ha Wasserfläche - finden wir heute noch Geschiebemergel, ein Material, aus dem der ursprüngliche Inselkern zur Entstehungszeit der Bucht bestand. Die letzte Eiszeit hat eine formenreiche Gletscherzungenlandschaft an der Wismar-Bucht entstehen lassen. Heute ragen, durch den Anstieg des Meeresspiegel vor einigen tausend Jahren, nur noch die höher gelegenen Bereiche aus dem Wasser. Dazu gehört auch das Gebiet der „Insel Walfisch“. Durch die stetigen Wechselbeziehungen zwischen Meer und Land mit ihren Gesetzmäßigkeiten von Landgewinn und Landverlust verlor die Insel an ursprünglicher Größe. Bei der „Insel Walfisch“ gibt es den seltenen Fall, dass sowohl Zerstörung und auch Schutz gleichermaßen von Menschenhand erfolgte. Letztendlich wäre aber heute in den Seekarten, ähnlich wie bei den alten Inseln Hannibal und Lieps, lediglich eine Untiefe statt eines archäologischen Denkmals und Vogelschutzgebietes verzeichnet, hätten die Menschen mit Landaufspülungen nicht das aufgehalten, was ihre Vorfahren durch massive Eingriffe in den natürlichen Inselkörper mit Erdbewegungen, Sandabbau und vernachlässigtem Küstenschutz verursacht hatten.

Schon in der Steinzeit wurde die relativ gut erreichbare Insel von Menschen aufgesucht, das gesamte Mittelalter hindurch wurde sie als Weide genutzt. Im Jahre 1271 wird die Insel als „Naderholm“- später auch Aderholm oder nur Holm genannt- erstmals schriftlich erwähnt. Überliefert im Ältesten Wismarer Stadtbuch, das acht Jahre später die Verlängerung eines Pachtvertrages mit Albert von Gägelow verzeichnete.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) gewinnt die Insel an strategischer Bedeutung. Die Kaiserlichen Truppen unter Führung von Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, begannen sofort nach Einnahme der Stadt Wismar mit der Befestigung der Insel. Im Oktober 1628 arbeiteten auf der „kleinen Insell“ bereits 290 Mann, die sich eifrig bemühten, die Anlage einer Holz-Erde-Konstruktion schnellstmöglich abzuschließen, denn die entstehende Schanze war in keiner Weise verteidigungsbereit. Bereits am 20. Juli 1629 tritt sie uns in einem Wismarer Ratsprotokoll unter dem neuen Namen entgegen: „das wir 80 man uffn Holm, jetzo der Walfisch genannt, hinaus schicken.“

Die Stadt und Festung Wismar wurden nach dem großen Krieg zum Spielball der Mächte im Kampf um die Ostseeherrschaft, so bauten die verschiedenen Parteien an der für die Stadtverteidigung so wichtigen Inselfestung weiter. Nach den Kaiserlichen sind es die Schweden, zwischen 1675 und 1680 die Dänen und schließlich wieder die Schweden.

Mit Hilfe von schriftlichen Belegen aus dem Kriegsarchiv Stockholm ist die Geschichte der Festung Walfisch gut nachvollziehbar.

Auf der ältesten bisher bekannt gewordenen kartografischen Aufnahme der Insel aus dem Jahre 1672 von L.H. Hoffmann ist die alte Sternschanze nur noch in Resten vorhanden.

Im Mai 1675 bestätigte König Karl XI einen von Oberst Erich Dahlberg- späterer Gouverneur der Baltischen Provinzen- im Königlichen Kriegskollegium vorgelegten Plan zum Ausbau der Walfischbefestigung als traditionelle fünfeckige Sternschanze in Holz-Erde-Konstruktion mit teilweiser Feldsteinbefestigung. Unter der Dänenherrschaft gelangten die Pläne von Oberst Voogt zur Anlage einer viereckigen, gemauerten Redoute (Festungswerk in Form einer trapezförmigen geschlossenen Schanze) auf dem Walfisch nicht zur Ausführung.

Im Juni 1682 lieferte Dahlberg einen neuen Entwurf einer Festungsanlage, der von Generalmajor Wangelin und Oberstleutnant Kempen an den König übersandt worden ist. Die Festung soll aus einer aufgemauerten Redoute mit vier Eckbatterien bestehen. Im Zentrum soll ein massiver, steinerner Geschützturm errichtet werden, der dreistöckig ausgelegt und mit einer feuerfesten Dachhaube versehen ist. Die Außenbastionen sind unterkellert und dienen verschiedenen Funktionen. Im Oktober 1687 ist aus einem Bericht ersichtlich, dass mit dem Bau der steinernen Außenmauer begonnen worden ist. Diese hatte wie auch schon der Turm, eine sinnreich erdachte Pfahlgründung mit einer darauf aufgebrachten gitterförmigen Holzkonstruktion. Mittels eines Erdwalles wird die Baustelle der Mauer trocken gehalten, so dass nach Einbringen der Pfahlgründung ein Feldsteinfundament gelegt und darauf die Bastion aufgemauert werden kann.

Im Januar 1693 übermittelt Generalleutnant Buchwald den Bestand des Walfischturmes, der fertiggestellt ist, über ein Kellergewölbe, eine Geschützetage und eine gemauerte und somit feuerfeste Dachetage verfügt. Für den Bau wurden auch Backsteine aus einer Lübecker Kirche und skandinavischer Granitstein verwendet. Der Grundriß, des um 1693 fertig gestellten Forts mit Geschützturm und Bastion, ist vollständig erhalten, die Baupläne liegen heute im Königlichen Kriegsarchiv in Stockholm. Die Außenmaße dieser Anlage betragen etwa 77x77 Meter. Ein Gemälde der Festung Walfisch hängt im Schloss Güstrow.

E. von Kempen schlägt 1696 die weitere Befestigung außerhalb der aufgemauerten Redoute mit gestaffeltem Pfahlwerk vor. Wie aus späteren Ansichten zu erfahren ist, wurde hiervon lediglich eine Pfahlreihe zum Schutz vor Eisgang unmittelbar vor der Mauer gerammt.

Die Bewaffnung des Walfischforts im Jahre 1715 besteht aus 53 Geschützen. Davon entfallen 9 Achtzehnpfünder sowie 9 Zwölfpfünder auf den Turm. Auf der Bastion sind in 4 Batterien

30 Kanonen unterschiedlichen Kalibers aufgestellt. Hier und im Innenraum befinden sich zusätzlich fünf Mörser, von denen der größte eine Ladung von 100 Pfund verschießen kann.

Im Nordischen Krieg (1700-1720) wurde der wichtige militärische Stützpunkt mehrmals angegriffen. Nachdem im April 1716 die Dänen und deren Verbündete (Preußen und Hannoveraner) in die Stadt Wismar einmarschiert waren, endete die Herrschaft der Schweden durch Kapitulation. Am 2. Februar 1718 wurde die Festung Walfisch durch die Dänen mittels 144 Tonnen Pulver gesprengt.

Erst im Jahre 1731 entsann sich der Rat von Wismar wieder seiner Pflicht, die Erhaltung des in den Kriegswirren übel mitgespielten Eilandes Walfisch zu übernehmen. In den Jahren 1731/1732 erließ die Stadt Strafbestimmungen wegen Verrückens von Seezeichen und Entnahme von Steinen vom Walfisch, um die natürliche Widerstandskraft des Eilandes nicht noch mehr zu schwächen.

Janet Scholz

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